
Der längste Holzsteg der Schweiz führt knapp über dem Wasser nach Hurden — ohne Laternen, dafür über eine Furt, die Menschen wohl schon vor 5000 Jahren nutzten.
Vom Schlossberg in Rapperswil aus ist der Holzsteg nur ein heller Strich auf dem Wasser. Er beginnt am Ufer gleich neben dem Seedamm, streift eine kleine Insel mit einer weißen Kapelle und zieht dann hinaus über den Obersee Richtung Hurden.
Unten ist er etwas ganz anderes: 841 Meter Eichenholz, knapp über dem Wasser, links und rechts nichts als der Obersee. Gebaut wurde der längste Holzsteg der Schweiz erst 2001, doch er führt über eine Stelle, an der Menschen wahrscheinlich schon vor 5000 Jahren den See überquert haben.
Und weil die meisten, die nach diesem Steg suchen, zuerst eines wissen wollen: Er ist offen.
Inhalt
Der Steg lohnt sich für alle, die Rapperswil nicht nur von oben sehen wollen. Hin und zurück sind es gut 1,7 Kilometer; mit Pausen, einem Blick in die Kapelle und einem Abstecher nach Hurden rechnen Sie mit rund einer Stunde. Steigungen gibt es keine, und der Steg ist jeden Tag offen, am Sonntag genauso wie unter der Woche.
Wer weiter will, geht über den Steg und den Seedamm nach Pfäffikon im Kanton Schwyz und fährt mit dem Zug zurück. Für Pilger beginnt hier eine Etappe des Jakobswegs nach Einsiedeln.
Einen Vorbehalt gibt es: Kommen Sie bei Tageslicht. Laternen hat der Steg nicht, und das ist Absicht — dazu weiter unten mehr. Was Sie in Rapperswil selbst gratis sehen, steht in unserem Artikel über die Sehenswürdigkeiten von Rapperswil.
Ja. Nach Angaben der Stadt Rapperswil-Jona kann der Steg weiterhin gefahrlos genutzt werden.
Ganz neu ist er allerdings nicht mehr: 2001 eröffnet, ist er inzwischen 25 Jahre alt, und seit einigen Jahren setzt ihm ein Pilz zu. Der Eichen-Wirrling wurde 2012 zum ersten Mal entdeckt und greift genau das Eichenholz an, das hier als besonders dauerhaft galt. Gesperrt ist deshalb seit dem Frühling 2022 die Aussichtsplattform Göttersitz auf der Hurdener Seite bei der Schiffsdurchfahrt, die auf eigenen Pfählen steht.
Die Stadt plant in den nächsten Jahren eine umfassende Sanierung oder einen Neubau. Für die Bauarbeiten dürfte der Steg dann für einige Monate schließen; die Fachleute rechnen mit drei bis vier. Bis dahin gilt: hingehen, solange er so ist, wie er ist.
Ganz geschlossen war er bisher nur zweimal kurz: im Frühling 2020, weil auf dem schmalen Steg niemand Abstand halten konnte, und im Herbst 2022 für einen Tag, als am Zugang Bäume gefällt wurden.

Zwischen Rapperswil und Hurden ist der See schmal und seicht, und wahrscheinlich gingen hier schon um 3200 vor Christus Menschen hinüber, lange bevor in Ägypten die Pyramiden standen. Im Seegrund stecken bis heute Pfähle aus der frühen Bronzezeit, rund 3500 Jahre alt.
Die Fundstelle bei Hurden gehört seit 2011 zum UNESCO-Welterbe der Pfahlbauten um die Alpen. Sie ist darin eine Besonderheit: Gefunden wurden hier keine Dörfer, sondern Brücken.
Im Mittelalter stand an dieser Stelle eine Holzbrücke von fast anderthalb Kilometern, gebaut um 1360 und genutzt von Pilgern auf dem Weg nach Einsiedeln und von allen, die ans andere Ufer wollten. 1878 ersetzte sie der Seedamm für Straße und Bahn. Rapperswil trug den größten Teil der Kosten und musste dafür seine Steuern einige Jahre lang beinahe verdoppeln. Einen eigenen Fußweg über das Wasser gab es danach lange nicht mehr — bis 2001.
Angestoßen hat den Steg Hans Rathgeb, Ehrenbürger von Rapperswil. Sein Satz zur Einweihung erklärt, worum es ging:
Von Flensburg bis Neapel kann man zu Fuss gehen, nur in Rapperswil muss man schwimmen.
Hans Rathgeb, 2001
Bezahlt haben den Steg viele: Rund drei Millionen Franken kostete er, gut ein Drittel kam aus privaten Spenden, der Rest von den Gemeinden an beiden Ufern und von den Kantonen St. Gallen und Schwyz. Wer wollte, konnte einen Zentimeter Steg kaufen, für zehn Franken das Stück — die Zentimeter waren sehr gefragt.
Gebaut wurde er in rund acht Monaten. Im August 2000 rammte man den ersten Pfahl, die Bohlen setzte man an Land zu fertigen Elementen zusammen. Als Ausgleich für die Natur entstand dabei eine Kiesinsel: Die rund 400 Kubikmeter Kies kippte man in einer Nacht direkt aus Eisenbahnwagen vom Seedamm ins Wasser, weil kein Schiff das Material durch den seichten See hätte bringen können.
Eröffnet wurde der Steg am 6. April 2001, und der Erste auf den neuen Bohlen war kein Ehrengast, sondern ein Geißbock, so wie es früher bei neuen Brücken Brauch war. Gleich danach kamen ein paar Menschen im Rollstuhl.
Der Steg ruht auf 233 Pfählen aus Eiche, ist knapp zweieinhalb Meter breit und liegt so tief über dem See, dass Sie das Gefühl haben, auf dem Wasser zu gehen. Darunter ist es ohnehin flach: Auf vier Fünfteln der Strecke ist der See nur 70 bis 80 Zentimeter tief.
Die weiße Kapelle auf der kleinen Insel am Rapperswiler Ende des Stegs ist der letzte Rest der alten Brücke. Eine hölzerne Brückenkapelle wird 1485 erstmals erwähnt, in Stein steht das Heilig Hüsli seit dem 16. Jahrhundert. Es misst nur zwei auf drei Meter.
Als die alte Brücke 1878 abgebrochen wurde, blieb die Kapelle allein auf ihrer Insel zurück. 123 Jahre lang war sie nur mit dem Boot zu erreichen — bis 2001 der neue Steg kam, der heute in drei Metern Abstand an ihr vorbeiführt. Wer mag, wirft eine Münze durchs Gitter.
Die Inseln rund um das Heilig Hüsli stehen unter Naturschutz, und dafür gelten ein paar Regeln, die weiter unten stehen.
Hurden gehört zur Gemeinde Freienbach im Kanton Schwyz und liegt auf einer langen Landzunge im See, mit knapp 300 Einwohnerinnen und Einwohnern. Seit 1943 ist Hurden sogar eine Insel: Damals schnitt ein Schifffahrtskanal die Spitze vom Festland ab.
Am Ende des Stegs erwarten Sie eine gotische Kapelle von 1497 und eine alte Tradition als Rastort am Pilgerweg nach Einsiedeln. Und noch eine Kleinigkeit für unterwegs: Vier Fünftel des Stegs liegen auf St. Galler Boden, nur das letzte Stück vor Hurden gehört zu Schwyz.

Der Steg ist Teil des Schwabenwegs, eines der Jakobswege durch die Schweiz. Zwei Wege bieten sich an:
Hunde sind auf dem Steg willkommen, an der Leine. Der Steg führt mitten durch Naturschutzgebiet, auf der Rapperswiler Seite um die Inseln beim Heilig Hüsli, auf der Schwyzer Seite durch den Frauenwinkel, und dort gehören Hunde an die Leine. Und auf knapp zweieinhalb Metern Breite mit Gegenverkehr ist die kurze Leine auch die einzige vernünftige Lösung.
Mit dem Kinderwagen ist der Steg gut zu schaffen: keine Stufen, nur sanfte Rampen an den Enden. Für Rollstühle ist der Weg grundsätzlich machbar, auf der ganzen Länge aber anstrengend.
Baden ist am Steg nicht erlaubt, ebenso wenig wie Boote oder Luftmatratzen im Schutzgebiet. Der Steg ist als Fußweg gebaut; das Velo lassen Sie besser am Ufer.
| Wo | zwischen Rapperswil (Kanton St. Gallen) und Hurden (Gemeinde Freienbach, Kanton Schwyz), Zugang in Rapperswil beim Heilig Hüsli neben dem Seedamm |
| Länge | 841 m, hin und zurück gut 1,7 km · mit Pausen und Hurden rund eine Stunde |
| Eintritt | frei, jederzeit zugänglich |
| Am Sonntag | offen |
| Status | offen (Stand: Oktober 2026) · Aussichtsplattform Göttersitz seit 2022 gesperrt · Sanierung oder Neubau in den nächsten Jahren geplant, dann vorübergehend gesperrt |
| Licht | keine Beleuchtung, im Dunkeln besser nicht |
| Mit Hund | an der Leine (Naturschutzgebiet) |
| Mit Kinderwagen | gut machbar: keine Stufen, sanfte Rampen an den Enden |
| Baden | nicht erlaubt |
| Weiterwandern | nach Pfäffikon SZ rund 4,8 km · nach Einsiedeln rund 17 km (Jakobsweg) |
| Ohne Auto | ab Bahnhof Rapperswil wenige Minuten zu Fuß · zurück auch ab Pfäffikon SZ mit dem Zug |
Nein, der Steg ist offen und kann nach Angaben der Stadt weiterhin gefahrlos genutzt werden. Gesperrt ist seit dem Frühling 2022 nur die Aussichtsplattform Göttersitz auf der Hurdener Seite, weil ein Pilz das Eichenholz befallen hat. Die Stadt plant in den nächsten Jahren eine umfassende Sanierung oder einen Neubau; für die Bauzeit wird der Steg voraussichtlich für einige Monate geschlossen. Vor einer weiten Anreise lohnt ein Blick auf die Website der Stadt.
Der Steg misst 841 Meter und ist damit der längste Holzsteg der Schweiz. Hin und zurück sind es gut 1,7 Kilometer; mit Pausen und einem Abstecher nach Hurden sollte man rund eine Stunde einplanen. Bis Pfäffikon im Kanton Schwyz sind es ab Rapperswil rund 4,8 Kilometer.
Ja, an der Leine. Der Steg führt durch Naturschutzgebiet, wo Hunde an die Leine gehören, und auf dem schmalen Steg mit Gegenverkehr ist die kurze Leine auch praktisch die beste Wahl.
Mit dem Kinderwagen gut: Der Steg hat keine Stufen, nur sanfte Rampen an den beiden Enden, und auf beiden Seiten ein Geländer. Mit dem Rollstuhl ist er grundsätzlich befahrbar, wegen der Länge und der Rampen aber anstrengend.
Nein. Der Steg hat bewusst keine künstliche Beleuchtung, das war schon beim Bau so geplant. Wer ihn überqueren will, plant das am besten bei Tageslicht.
Eine kleine Kapelle auf einer Insel am Rapperswiler Ende des Stegs, der letzte Rest der mittelalterlichen Seebrücke. In Stein steht sie seit dem 16. Jahrhundert. Nach dem Abbruch der alten Brücke 1878 war sie 123 Jahre lang nur mit dem Boot erreichbar, seit 2001 führt der neue Steg direkt an ihr vorbei.
Die Beiträge auf dieser Seite beruhen auf Beobachtungen vor Ort und auf eigener Recherche und ordnen sie journalistisch ein. Angaben — etwa zu Öffnungszeiten, Gebühren, Leinenpflicht oder Zutritt — können sich ändern und gelten ohne Gewähr; im Einzelfall kann die Lage anders sein. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung: Bei konkreten Fragen hilft die zuständige Stadt oder der Betreiber weiter.
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