
Zwei Städte, zwei Bundesländer, eine Donau dazwischen: warum Ulm und Neu-Ulm getrennt sind und was das im Alltag bedeutet.
Mitten auf der Herdbrücke, auf halbem Weg zwischen Ulm und Neu-Ulm, zieht sich ein schmales Band aus Metall quer über den Gehweg. Auf der einen Hälfte steht in Dauerschleife „Bayern“, auf der anderen „Baden-Württemberg“.
Tausende gehen und fahren jeden Tag darüber. Genau dieser Streifen beantwortet eine Frage, die erstaunlich oft gestellt wird: Ist Neu-Ulm nun Bayern oder Baden-Württemberg? Und sind Ulm und Neu-Ulm überhaupt zwei Städte?
Inhalt
Neu-Ulm liegt in Bayern, Ulm am anderen Ufer in Baden-Württemberg. Zwei Städte also, zwei Rathäuser, zwei Bundesländer — getrennt nur durch die Donau.
Von außen sieht man das kaum. Die beiden Städte liegen sich Ufer an Ufer gegenüber, und wer über eine der Brücken geht, wechselt das Bundesland, oft ohne es überhaupt zu merken. Zusammen zählen sie knapp 200 000 Einwohner.
| Ulm | Neu-Ulm | |
|---|---|---|
| Bundesland | Baden-Württemberg | Bayern |
| Regierungsbezirk | Tübingen | Schwaben |
| Status | eigener Stadtkreis | Große Kreisstadt im Landkreis Neu-Ulm |
| Einwohner | rund 130 000 | knapp 63 000 |

Die Grenze verläuft in der Mitte der Donau. So wurde es 1810 festgelegt, und so ist es geblieben: Auf einigen Kilometern trennt der Fluss Baden-Württemberg von Bayern, weiter flussaufwärts übernimmt die Iller diese Aufgabe.
Im Wasser ist davon natürlich nichts zu sehen. Auf der Herdbrücke dagegen schon: In der Brückenmitte ist das Metallband in den Gehweg eingelassen, auf der Brückenseite mit Blick auf die Stadtmauer und den Metzgerturm. Sie können sich genau darüberstellen, mit einem Fuß in jedem Bundesland, oder die Grenze mit der Hand berühren.

Bis 1802 gab es hier nur eine Stadt: die Reichsstadt Ulm, der auch das rechte Donauufer gehörte. Dann ordnete Napoleon Süddeutschland neu. Ulm wurde zunächst bayerisch — ja, Ulm war acht Jahre lang Bayern — und fiel 1810 an Württemberg. Was am rechten Donauufer lag, blieb bei Bayern.
Viel war das anfangs nicht: ein paar Gärten, Höfe und Wirtshäuser. Die neue Gemeinde hieß zuerst schlicht „Ulm am rechten Donauufer“, später Neu-Ulm; zur Stadt wurde sie 1869.
Für Ulm war die Teilung ein Einschnitt. Das Land südlich der Donau, bis dahin Teil des eigenen Gebiets, war mit einem Federstrich Ausland.
Wer hier wohnt, lebt mit zwei Regelwerken, und manche Unterschiede merkt man sofort:
Am deutlichsten verbindet die beiden Städte eben dieser Schwörmontag: Beim Nabada treiben dann Themenboote und Flöße die Donau hinunter, und Zehntausende feiern mit.

Die Herdbrücke ist die älteste Donaubrücke der Doppelstadt. Ihren Namen hat sie von den Herden, die Ulmer Hirten hier schon im Mittelalter auf die Weiden am anderen Ufer trieben.
Markiert war die Grenze hier schon einmal: Auf der Vorgängerbrücke von 1832, benannt nach den Königen von Bayern und Württemberg, zog sich ein dicker Strich über die Brückenmitte. Soldaten beider Länder bewachten die Brücke, und bis 1890 ließ sie sich an beiden Enden mit Eisentoren verschließen.
Die heutige Brücke stammt von 1949: ein einziger flacher Bogen aus Beton, gut 60 Meter lang. In ihrem Inneren steckt Stahl aus Köln, von einer Rheinbrücke, die im Krieg zerstört worden war.
Rund zehntausend Autos rollen am Tag darüber, dazu Hunderte Busse, Radfahrer und Fußgänger. Von der Brückenmitte aus sehen Sie auf der einen Seite die alte Reichsstadt mit Stadtmauer, Metzgerturm und roten Dächern, auf der anderen das jüngere Neu-Ulm mit Glasfassaden und einem getreppten Hochhaus am Ufer. Am Ulmer Brückenende zeigt das gelbe Ortsschild: Hier beginnt Ulm.
Wie sich die Brücke in eine ganze Abendrunde einbauen lässt, steht in unserem Artikel über den Abendspaziergang durch Ulm und Neu-Ulm.

Am bayerischen Ende landet die Herdbrücke auf einer Insel. Auf der einen Seite fließt die Donau, auf der anderen ihr schmaler Seitenarm, die Kleine Donau. In Neu-Ulm heißt sie schlicht „die Insel“, ihre Spitze „der Schwal“. Jahrhundertelang war sie Ulms Brückenkopf am anderen Ufer, heute gehört sie zu Neu-Ulm. Wer von Ulm herüberkommt, betritt Neu-Ulm also zuerst auf der Insel.
| Wo | Herdbrücke zwischen Ulm (Donaustraße) und Neu-Ulm (Marienstraße) |
| Die Grenzlinie | Metallband im Gehweg in der Brückenmitte, auf der Seite mit Blick auf den Metzgerturm |
| Eintritt | frei, rund um die Uhr |
| Am Sonntag | ja |
| Mit Hund | an der Leine |
| Mit Kinderwagen | ja, ebener Gehweg |
| Parken | auf der Neu-Ulmer Seite die Tiefgarage Petrusplatz, rund 400 m zur Brücke · alle Parkhäuser in unserem Artikel über das Parken in Neu-Ulm |
| Ohne Auto | vom Ulmer Marktplatz rund 250 m · Bahnhof Neu-Ulm rund 900 m · Ulm Hbf rund 1,3 km |
| In der Nähe | Metzgerturm und Stadtmauer am Ulmer Ufer · die Insel am Neu-Ulmer Ufer |
Nein. Neu-Ulm ist eine eigenständige Stadt mit eigenem Rathaus; sie gehört zu Bayern und ist Kreisstadt des Landkreises Neu-Ulm. Ulm liegt in Baden-Württemberg. Weil sich beide Städte an der Donau direkt gegenüberliegen, werden sie oft für eine gehalten.
Bis 1802 gehörte auch das rechte Donauufer zur Reichsstadt Ulm. 1810 kam Ulm zu Württemberg, die Grenze wurde in die Mitte der Donau gelegt, und das rechte Ufer blieb bayerisch. Aus der Gemeinde dort, die 1811 entstand, wurde Neu-Ulm; Stadt ist es seit 1869.
Ja, von 1802 bis 1810. Nach dem Ende der Reichsstadtzeit gehörte Ulm zunächst zu Bayern, bevor es 1810 an das Königreich Württemberg fiel. Seit 1952 gehört die Stadt zu Baden-Württemberg.
In der Mitte der Donau, flussaufwärts in der Iller. Sichtbar ist die Landesgrenze auf der Herdbrücke: Dort liegt in der Brückenmitte ein Metallband im Gehweg, beschriftet mit „Bayern“ auf der einen und „Baden-Württemberg“ auf der anderen Seite.
Knapp 200 000: Ende 2025 lebten in Ulm 130 288 Menschen, in Neu-Ulm 62 843. Gemeinsam bilden die beiden Städte ein länderübergreifendes Doppelzentrum.
Zu Schwaben. Neu-Ulm liegt im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben und ist dort nach Augsburg und Kempten die drittgrößte Stadt. Oberbayern beginnt erst weiter östlich.
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