Ist Neu-Ulm Bayern oder Baden-Württemberg? Auf der Herdbrücke lässt sich die Grenze anfassen

Redaktion Wohin FahrenNeu-Ulm, Ulmvor 1 Monat34 Aufrufe

Zwei Städte, zwei Bundesländer, eine Donau dazwischen: warum Ulm und Neu-Ulm getrennt sind und was das im Alltag bedeutet.

Mitten auf der Herdbrücke, auf halbem Weg zwischen Ulm und Neu-Ulm, zieht sich ein schmales Band aus Metall quer über den Gehweg. Auf der einen Hälfte steht in Dauerschleife „Bayern“, auf der anderen „Baden-Württemberg“.

Tausende gehen und fahren jeden Tag darüber. Genau dieser Streifen beantwortet eine Frage, die erstaunlich oft gestellt wird: Ist Neu-Ulm nun Bayern oder Baden-Württemberg? Und sind Ulm und Neu-Ulm überhaupt zwei Städte?

Die kurze Antwort: Neu-Ulm ist Bayern

Neu-Ulm liegt in Bayern, Ulm am anderen Ufer in Baden-Württemberg. Zwei Städte also, zwei Rathäuser, zwei Bundesländer — getrennt nur durch die Donau.

Von außen sieht man das kaum. Die beiden Städte liegen sich Ufer an Ufer gegenüber, und wer über eine der Brücken geht, wechselt das Bundesland, oft ohne es überhaupt zu merken. Zusammen zählen sie knapp 200 000 Einwohner.

Ulm Neu-Ulm
Bundesland Baden-Württemberg Bayern
Regierungsbezirk Tübingen Schwaben
Status eigener Stadtkreis Große Kreisstadt im Landkreis Neu-Ulm
Einwohner rund 130 000 knapp 63 000
Das Metallband der Landesgrenze verläuft quer über den Gehweg der Herdbrücke bis zum Brückengeländer
Herdbrücke, Ulm und Neu-Ulm

Wo die Grenze verläuft — und wo Sie sie berühren können

Die Grenze verläuft in der Mitte der Donau. So wurde es 1810 festgelegt, und so ist es geblieben: Auf einigen Kilometern trennt der Fluss Baden-Württemberg von Bayern, weiter flussaufwärts übernimmt die Iller diese Aufgabe.

Im Wasser ist davon natürlich nichts zu sehen. Auf der Herdbrücke dagegen schon: In der Brückenmitte ist das Metallband in den Gehweg eingelassen, auf der Brückenseite mit Blick auf die Stadtmauer und den Metzgerturm. Sie können sich genau darüberstellen, mit einem Fuß in jedem Bundesland, oder die Grenze mit der Hand berühren.

Blick von der Herdbrücke flussaufwärts auf die Donau, die Ulmer Stadtmauer und den Metzgerturm im Abendlicht, am Geländer endet das Metallband der Landesgrenze
Blick von der Herdbrücke nach Ulm

Warum es zwei Städte gibt

Bis 1802 gab es hier nur eine Stadt: die Reichsstadt Ulm, der auch das rechte Donauufer gehörte. Dann ordnete Napoleon Süddeutschland neu. Ulm wurde zunächst bayerisch — ja, Ulm war acht Jahre lang Bayern — und fiel 1810 an Württemberg. Was am rechten Donauufer lag, blieb bei Bayern.

Viel war das anfangs nicht: ein paar Gärten, Höfe und Wirtshäuser. Die neue Gemeinde hieß zuerst schlicht „Ulm am rechten Donauufer“, später Neu-Ulm; zur Stadt wurde sie 1869.

Für Ulm war die Teilung ein Einschnitt. Das Land südlich der Donau, bis dahin Teil des eigenen Gebiets, war mit einem Federstrich Ausland.

Was die Grenze im Alltag bedeutet

Wer hier wohnt, lebt mit zwei Regelwerken, und manche Unterschiede merkt man sofort:

  • Feiertage. Am 15. August, Mariä Himmelfahrt, ist in Neu-Ulm Feiertag und in Ulm ein gewöhnlicher Werktag. Die Ulmer Geschäfte haben dann geöffnet und sind entsprechend gut besucht.
  • Schule. Am Buß- und Bettag im November haben die Kinder in Neu-Ulm schulfrei, in Ulm ist ein ganz normaler Schultag. Auch die Schulferien beginnen und enden in beiden Städten zu unterschiedlichen Terminen.
  • Ladenschluss. In Bayern schließen Geschäfte werktags in der Regel um 20 Uhr, in Baden-Württemberg gibt es von Montag bis Samstag keine gesetzliche Schlusszeit.
  • Kneipen am Wochenende. In den Nächten zum Samstag und zum Sonntag dürfen Ulmer Kneipen bis 5 Uhr öffnen, Neu-Ulmer bis 3 Uhr.
  • Tanzen an Ostern. Am Karsamstag darf in Ulm ab 20 Uhr wieder öffentlich getanzt werden, in Neu-Ulm erst ab Mitternacht.
  • Rauchen. In Ulm sind Raucherräume und kleine Raucherkneipen erlaubt, und in Bier- und Festzelten darf geraucht werden. In Neu-Ulm sind Gaststätten rauchfrei, auch das Bierzelt.
  • Hunde. Selbst auf der Herdbrücke ändert sich die Regel: In Ulm gehört jeder Hund auf Straßen und Gehwegen an die Leine, in Neu-Ulm nur große Hunde ab 50 Zentimetern Schulterhöhe und Kampfhunde.
  • Hauskauf. Wer eine Wohnung oder ein Haus kauft, zahlt in Neu-Ulm 3,5 Prozent Grunderwerbsteuer, in Ulm 5 Prozent.
  • Autokennzeichen. UL auf der einen Seite der Donau, NU auf der anderen.
  • Was beide teilen. Die Telefonvorwahl 0731, den Schwörmontag im Juli, an dem in beiden Städten nachmittags viele Geschäfte und Büros schließen, und den gemeinsamen Beinamen „Zweilandstadt“.

Am deutlichsten verbindet die beiden Städte eben dieser Schwörmontag: Beim Nabada treiben dann Themenboote und Flöße die Donau hinunter, und Zehntausende feiern mit.

Blick von der Herdbrücke nach Ulm, rechts an der Straße steht das gelbe Ortsschild von Ulm
Herdbrücke, Blick nach Ulm

Die Herdbrücke selbst

Die Herdbrücke ist die älteste Donaubrücke der Doppelstadt. Ihren Namen hat sie von den Herden, die Ulmer Hirten hier schon im Mittelalter auf die Weiden am anderen Ufer trieben.

Markiert war die Grenze hier schon einmal: Auf der Vorgängerbrücke von 1832, benannt nach den Königen von Bayern und Württemberg, zog sich ein dicker Strich über die Brückenmitte. Soldaten beider Länder bewachten die Brücke, und bis 1890 ließ sie sich an beiden Enden mit Eisentoren verschließen.

Die heutige Brücke stammt von 1949: ein einziger flacher Bogen aus Beton, gut 60 Meter lang. In ihrem Inneren steckt Stahl aus Köln, von einer Rheinbrücke, die im Krieg zerstört worden war.

Rund zehntausend Autos rollen am Tag darüber, dazu Hunderte Busse, Radfahrer und Fußgänger. Von der Brückenmitte aus sehen Sie auf der einen Seite die alte Reichsstadt mit Stadtmauer, Metzgerturm und roten Dächern, auf der anderen das jüngere Neu-Ulm mit Glasfassaden und einem getreppten Hochhaus am Ufer. Am Ulmer Brückenende zeigt das gelbe Ortsschild: Hier beginnt Ulm.

Wie sich die Brücke in eine ganze Abendrunde einbauen lässt, steht in unserem Artikel über den Abendspaziergang durch Ulm und Neu-Ulm.

Blick von der Herdbrücke nach Neu-Ulm mit dem gläsernen Brückenhaus und einem getreppten Hochhaus
Herdbrücke, Blick nach Neu-Ulm

Gleich nebenan: die Insel

Am bayerischen Ende landet die Herdbrücke auf einer Insel. Auf der einen Seite fließt die Donau, auf der anderen ihr schmaler Seitenarm, die Kleine Donau. In Neu-Ulm heißt sie schlicht „die Insel“, ihre Spitze „der Schwal“. Jahrhundertelang war sie Ulms Brückenkopf am anderen Ufer, heute gehört sie zu Neu-Ulm. Wer von Ulm herüberkommt, betritt Neu-Ulm also zuerst auf der Insel.

Praktisches

Wo Herdbrücke zwischen Ulm (Donaustraße) und Neu-Ulm (Marienstraße)
Die Grenzlinie Metallband im Gehweg in der Brückenmitte, auf der Seite mit Blick auf den Metzgerturm
Eintritt frei, rund um die Uhr
Am Sonntag ja
Mit Hund an der Leine
Mit Kinderwagen ja, ebener Gehweg
Parken auf der Neu-Ulmer Seite die Tiefgarage Petrusplatz, rund 400 m zur Brücke · alle Parkhäuser in unserem Artikel über das Parken in Neu-Ulm
Ohne Auto vom Ulmer Marktplatz rund 250 m · Bahnhof Neu-Ulm rund 900 m · Ulm Hbf rund 1,3 km
In der Nähe Metzgerturm und Stadtmauer am Ulmer Ufer · die Insel am Neu-Ulmer Ufer

Häufige Fragen zu Ulm, Neu-Ulm und der Landesgrenze

Ist Neu-Ulm ein Stadtteil von Ulm?

Nein. Neu-Ulm ist eine eigenständige Stadt mit eigenem Rathaus; sie gehört zu Bayern und ist Kreisstadt des Landkreises Neu-Ulm. Ulm liegt in Baden-Württemberg. Weil sich beide Städte an der Donau direkt gegenüberliegen, werden sie oft für eine gehalten.

Warum sind Ulm und Neu-Ulm getrennt?

Bis 1802 gehörte auch das rechte Donauufer zur Reichsstadt Ulm. 1810 kam Ulm zu Württemberg, die Grenze wurde in die Mitte der Donau gelegt, und das rechte Ufer blieb bayerisch. Aus der Gemeinde dort, die 1811 entstand, wurde Neu-Ulm; Stadt ist es seit 1869.

War Ulm einmal bayerisch?

Ja, von 1802 bis 1810. Nach dem Ende der Reichsstadtzeit gehörte Ulm zunächst zu Bayern, bevor es 1810 an das Königreich Württemberg fiel. Seit 1952 gehört die Stadt zu Baden-Württemberg.

Wo verläuft die Grenze zwischen Ulm und Neu-Ulm?

In der Mitte der Donau, flussaufwärts in der Iller. Sichtbar ist die Landesgrenze auf der Herdbrücke: Dort liegt in der Brückenmitte ein Metallband im Gehweg, beschriftet mit „Bayern“ auf der einen und „Baden-Württemberg“ auf der anderen Seite.

Wie viele Einwohner haben Ulm und Neu-Ulm zusammen?

Knapp 200 000: Ende 2025 lebten in Ulm 130 288 Menschen, in Neu-Ulm 62 843. Gemeinsam bilden die beiden Städte ein länderübergreifendes Doppelzentrum.

Gehört Neu-Ulm zu Schwaben oder zu Oberbayern?

Zu Schwaben. Neu-Ulm liegt im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben und ist dort nach Augsburg und Kempten die drittgrößte Stadt. Oberbayern beginnt erst weiter östlich.

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