
Kein Verkäufer, nur eine Preistafel und eine Kasse: Am Stadtrand von Neu-Ulm schneiden Sie Gladiolen und Sonnenblumen selbst – und im Herbst stehen Kürbisse daneben.
Am südöstlichen Stadtrand von Neu-Ulm, an der Reuttier Straße hinter Schwaighofen, steht eine Kasse. Darüber eine Tafel mit Preisen, dahinter ein Feld mit Gladiolen und Sonnenblumen. Einen Verkäufer gibt es nicht. Sie gehen selbst ins Feld, schneiden sich Ihren Strauß und werfen das Geld in die Kasse: eine Gladiole, ein Euro.
„Blumen zum Selbstschneiden“ heißt dieses Prinzip, und in Süddeutschland stehen solche Felder an vielen Landstraßen. Wer zum ersten Mal davor anhält, fragt sich meist dasselbe: Darf ich da einfach hinein? Ja – genau dafür ist das Feld da. Und ab September kommt in Neu-Ulm noch etwas dazu: Holzregale voller Kürbisse, ebenfalls zum Selbstbedienen.
Inhalt
Das Feld ist ein kleiner Ausflug für alle, die einen Strauß wollen, den es so im Supermarkt nicht gibt: Sie wählen jede Blüte selbst, bestimmen Farbe und Länge und zahlen dafür weniger als beim Floristen. Familien kommen hier auf ihre Kosten, weil Kinder selbst aussuchen und das Geld einwerfen dürfen. Und wer im Oktober einen Kürbis für Halloween braucht, findet ihn hier direkt am Feldrand.
Weil niemand kassieren muss, ist der Stand auch am Sonntag zugänglich, wenn die Geschäfte geschlossen sind.
Weniger passend ist das Feld für alle, die einen fertig gebundenen Strauß suchen oder exotische Sorten erwarten. Angebaut wird, was im Freiland wächst. Und wer die volle Pracht sehen möchte, kommt im Hochsommer: Mitte September stand das Feld schon im Übergang, zwischen grünen Gladiolenreihen leuchteten einzelne Blütenrispen in Gelb, Pink und Lachs, und ein Teil der Sonnenblumen war bereits braun.

Den Weg weist ein Schild: „Blumen selber schneiden“, darunter ein roter Pfeil. Am Eingang des Feldes steht die Preistafel, und mehr Regeln braucht es kaum. Der Ablauf ist überall ähnlich:
Das Ganze lebt vom Vertrauen. Feld und Kasse sind unbeaufsichtigt, und nur weil die Kundschaft ehrlich zahlt, kann ein solches Feld über Jahre bestehen – so steht es sinngemäß auf einem Zettel am Stand. „Nur bezahlte Blumen bringen Freu(n)de“, spielt die große Tafel daneben mit Worten.
Die Anregung kam aus der Schweiz. In Deutschland entstand 1992 eines der ersten größeren Felder dieser Art, seitdem hat sich das Prinzip über das ganze Land verbreitet. Dass auf demselben Feld über Monate immer wieder etwas blüht, ist Absicht: Auf vielen Feldern werden Gladiolen drei- bis viermal im Jahr gesetzt, Sonnenblumen sogar sechs- bis siebenmal. So reift die nächste Reihe nach, während die vorige verblüht.

Wer schon einmal einen selbst geschnittenen Strauß nach zwei Tagen welk aus der Vase gezogen hat, weiß: Der Schnitt entscheidet. Vier Dinge machen den Unterschied.
Ein Messer statt einer Schere. Eine Schere quetscht die Stiele, vor allem bei Sonnenblumen, und dann nimmt die Blume schlechter Wasser auf. Schräg und mit einem Zug geschnitten, bleibt die Schnittfläche glatt. „Bitte sorgfältig schneiden“, steht auf der Tafel am Stand – bei Gladiolen heißt das: Setzen Sie das Messer so an, dass unten einige Blätter an der Pflanze bleiben. Sie versorgen die Knolle, aus der im nächsten Jahr wieder eine Gladiole wächst.
Der richtige Moment. Bei Gladiolen nehmen Sie Stiele, an denen sich die untersten ein bis zwei Blüten geöffnet haben, die oberen Knospen gehen in der Vase nach und nach auf. Wer es lieber gleich üppig mag, greift zu Stielen, an denen schon die meisten Blüten offen sind und oben nur noch ein paar Knospen warten – sie öffnen sich dann zu Hause in der Vase.
Sonnenblumen schneiden Sie, wenn sich die Blüte gerade öffnet; ganz aufgeblühte halten in der Vase nicht mehr lange.
Die Tageszeit. Am kräftigsten sind die Pflanzen am Morgen, wenn sie voller Wasser stehen. Wer erst später am Tag kommt, stellt die Stiele umso schneller ins Wasser.
Der Heimweg. Je schneller die Blumen nach dem Schnitt ins Wasser kommen, desto länger halten sie. Am besten planen Sie für den Rückweg keine großen Umwege ein. Zu Hause schneiden Sie die Stiele noch einmal schräg an, entfernen die Blätter, die ins Wasser ragen würden, und stellen den Strauß in Wasser mit Zimmertemperatur. Alle zwei bis drei Tage nachschneiden und das Wasser wechseln – so bleiben Gladiolen wie Sonnenblumen deutlich länger frisch.

Während auf dem Feld die letzten Gladiolen blühen, beginnt am Stand schon die zweite Saison: Bei meinem Besuch Mitte September lagen hier bereits Kürbisse aus. Das Prinzip bleibt dasselbe – selbst aussuchen und in dieselbe Kasse zahlen wie für die Blumen. Welchen Kürbis Sie nehmen, hängt davon ab, was Sie vorhaben: kochen, schnitzen oder dekorieren. Hokkaidos kosten je nach Größe drei bis sieben Euro, die großen Halloween-Kürbisse zehn oder zwölf Euro.
Der Hokkaido ist der Kürbis für die Küche, und Sie müssen ihn nicht schälen: Seine Schale wird beim Garen weich und lässt sich mitessen. Seinen Namen trägt er, weil die ersten Samen, die nach Deutschland kamen, von der japanischen Insel Hokkaido stammten. Ganz und mit Stiel hält er sich bei 10 bis 15 Grad, dunkel und trocken, über Monate – ein Kürbis vom Feld im September kann also gut bis in den Winter warten.
Die großen Halloween-Kürbisse sind zum Schnitzen gedacht. Dass ausgerechnet ein Kürbis zur Laterne wurde, ist übrigens Zufall der Geschichte: In Irland höhlte man ursprünglich Rüben aus. Erst irische Auswanderer in Amerika griffen zum Kürbis, weil er dort reichlich wuchs.
Die Zierkürbisse auf der Preisliste gehören dagegen in die Deko-Schale, nicht in den Topf. Viele von ihnen enthalten Cucurbitacin, einen Bitterstoff, der Übelkeit und Bauchkrämpfe auslösen kann und beim Kochen nicht verschwindet. Die Faustregel gilt für jeden Kürbis: Schmeckt das Fruchtfleisch bitter, wird es nicht gegessen.
Für Kinder ist ein Feld zum Selbstschneiden ein kleines Abenteuer. Sie laufen zwischen Blüten, die fast so groß sind wie sie selbst, und suchen sich die schönsten aus. Das Schneiden übernehmen bei den Kleinen besser die Eltern, dafür dürfen die Kinder die Münzen abzählen und in die Kasse werfen. Zwischen den Reihen geht man auf unbefestigtem Erdboden – bei Regen lieber feste Schuhe anziehen.
Im Herbst kommen die Kürbisse dazu. Den kleinen Hokkaido fürs Abendessen dürfen Kinder selbst zum Auto tragen, und beim Halloween-Kürbis entscheiden sie mit, welcher zu Hause ein Gesicht bekommt.
Der Hund darf gern mit – nur zwischen die Blumenbeete gehört er nicht. Am Feld entlang führt ein Weg, auf dem Sie mit dem Hund an der Leine ein Stück spazieren gehen können. Wasser für ihn nehmen Sie bei Bedarf einfach mit. Schatten gibt es am offenen Feld kaum, an einem Sommermorgen oder einem Herbsttag ist es dort aber angenehm.
| Wo | Reuttier Straße, 89233 Neu-Ulm, am südöstlichen Stadtrand hinter Schwaighofen Richtung Reutti, direkt am Rad- und Fußweg · GPS 48.3773, 10.0334 |
| Preise (Stand 19.09.2026) | Gladiole 1 € · Sonnenblume 1 € · Hokkaido 3–7 € je nach Größe · Halloween-Kürbis 10–12 € |
| Bezahlen | bar in die Kasse am Feld oder per PayPal über den QR-Code an der Tafel |
| Personal | keins, Selbstbedienung |
| Zugang | jederzeit, offenes Feld ohne Zaun · Blumen aussuchen lässt sich am besten bei Tageslicht |
| Am Sonntag | zugänglich |
| Saison | Blumen über den Sommer; Mitte September blühten noch einzelne Gladiolen und Sonnenblumen · Kürbisse lagen Mitte September bereits aus |
| Messer | liegen an der Kasse bereit |
| Mitbringen | Kleingeld |
| Parken | kleine Parkbucht und ein Stück Feldweg direkt am Stand, für die Zeit des Schneidens |
| Wasser | selbst mitbringen |
| Mit Kinderwagen | bis zum Stand auf asphaltiertem Rad- und Fußweg · zwischen den Reihen Erdboden |
| Mit Hund | an der Leine willkommen · kleiner Spaziergang auf dem Weg am Feld entlang · Blumenbeete ausgenommen · Wasser bei Bedarf mitbringen |
| Ohne Auto | mit dem Rad: Der Radweg führt direkt am Stand vorbei |
Man geht ohne Anmeldung ins Feld, schneidet die gewünschten Blumen mit den Messern vom Stand selbst und zahlt den Betrag laut Preistafel in die Kasse am Feldrand. Personal ist nicht vor Ort, das Feld funktioniert auf Vertrauensbasis und ist auch sonntags zugänglich.
Im September 2026 kosteten Gladiolen und Sonnenblumen je einen Euro pro Stück. Hokkaido-Kürbisse gab es je nach Größe für drei bis sieben Euro, große Halloween-Kürbisse für zehn bis zwölf Euro.
Ja. Neben der Kasse für Münzen und Scheine hängt eine Tafel mit einem PayPal-QR-Code, über den sich Blumen und Kürbisse mit dem Smartphone bezahlen lassen.
Beide blühen über den Sommer, weil sie auf vielen Feldern in mehreren Durchgängen gepflanzt werden: Gladiolen drei- bis viermal, Sonnenblumen bis zu siebenmal im Jahr. Am vollsten ist ein Feld im Hochsommer, im September wird das Angebot langsam weniger.
Der Hokkaido ist ein Speisekürbis, dessen Schale man mitessen kann. Die großen Halloween-Kürbisse sind zum Schnitzen gedacht. Zierkürbisse sind nur Dekoration, weil viele von ihnen giftige Bitterstoffe enthalten.
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