
Alles, wofür man nach Zürich fährt, passt von hier oben in ein einziges Bild — und die Fahrt hinauf kostet 1.20 Franken.
Eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang, von einer Terrasse über der Stadt, sieht Zürich so aus.
Ganz links die zwei hellen Türme des Grossmünsters. Daneben, viel näher und deshalb viel größer, der grüne Spitzhelm der Predigerkirche. Dann die schmale Nadel des Fraumünsters. Dann das riesige goldene Zifferblatt von St. Peter. Und hinter allem, fünf Kilometer weit weg, der dunkle Rücken des Uetlibergs mit den roten Lichtern des Fernsehturms.
Das ist keine Aufzählung aus einem Reiseführer, das ist ein einziges Bild. Alles, was von Zürich auf den Postkarten steht, liegt von diesem Punkt aus nebeneinander — schmaler als das, was eine Handykamera ohnehin aufnimmt. Sie müssen sich dafür nicht drehen und nicht einmal den Kopf wenden.
Der Punkt heißt Polyterrasse, liegt vor dem Hauptgebäude der ETH und ist eine ganz normale öffentliche Fläche: rund um die Uhr offen, kein Drehkreuz, kein Ticket, keine Öffnungszeit. Das ist in Zürich bemerkenswerter, als es klingt. Für den Turm des Grossmünsters drüben in der Altstadt zahlen Sie fünf Franken. Für den Uetliberg lösen Sie ein Bahnbillett. Hier oben zahlen Sie nichts — außer, wenn Sie wollen, 1.20 Franken für die Fahrt hinauf.
Inhalt
Gehen Sie hinauf, wenn Sie abends Zeit haben. Die Terrasse ist nachts offen, sie ist beleuchtet, und die Altstadt unter Ihnen ist es auch: Grossmünster, Predigerkirche und St. Peter werden angestrahlt, die Türme stehen einzeln im Dunkeln. Am schönsten ist es rund eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang, wenn der Himmel noch blau ist und die Lichter schon brennen.
Gehen Sie hinauf, wenn Sie zwischen zwei Zügen hängen. Vom Hauptbahnhof sind es keine 500 Meter Luftlinie und knapp zehn Minuten zu Fuß. Kaum ein Aussichtspunkt in Zürich liegt so nah am Gleis.
Gehen Sie hinauf, wenn Sonntag ist. Sonntags sind in Zürich die Läden zu und vieles andere auch — die Polyterrasse nicht. Sie hat keine Öffnungszeiten und ist auch am Sonntag durchgehend offen.
Einen Vorbehalt gibt es: der Zürichsee fehlt. Der Blick geht nach Südwesten über die Altstadt und endet am Uetliberg, ganz links bleibt vom See bestenfalls ein Streifen. Wer beides an einem Abend will, nimmt den See vorher mit — am Bürkliplatz oder gleich in Rapperswil — und kommt danach hier herauf.
Und rechnen Sie mit einem Platz, nicht mit einem Park. Oben gibt es keinen Baum, keinen Schatten und kein Trinkwasser. Für die halbe Stunde, um die es hier geht, reicht das vollkommen — für einen ganzen Abend ist es der falsche Ort.
Die vier Türme, die den Blick tragen, stehen viel dichter beieinander, als es aus der Altstadt wirkt: Zwischen dem nächsten und dem entferntesten liegen keine 600 Meter. Und aus dieser Entfernung entscheidet nicht die Höhe darüber, wie groß ein Turm wirkt, sondern die Nähe.
Der Uetliberg dahinter steht 5 Kilometer weit weg und rund 460 Meter höher als die Stadt — er schließt den Blick nach hinten ab wie eine Kulisse.

Der Himmel ist in dieser Zeit noch blau — nicht das helle Blau des Tages, sondern ein tiefes, das nach dreißig, vierzig Minuten in Schwarz kippt.
Genau dann stimmt alles gleichzeitig: Die angestrahlten Türme stehen hell vor einem Himmel, der noch Farbe hat, und die Berglinie dahinter ist noch eine Linie. Eine Stunde später ist oben nur noch Schwarz, und der Uetliberg ist darin verschwunden.
Nach unten hin passiert dabei etwas, womit kaum jemand rechnet. Der Hang unterhalb der Brüstung wird von unten angestrahlt, und im belaubten Halbjahr leuchtet das Laub hellgrün gegen die dunkle Stadt. Der Vordergrund ist hier also heller als die Altstadt — umgekehrt, als man es von einem Aussichtspunkt erwartet.
Der eleganteste Weg nach oben ist die Polybahn. Sie startet am Central, überwindet 41 Höhenmeter und braucht dafür gut anderthalb Minuten. Sie fährt im Fünf-Minuten-Takt und endet direkt auf der Terrasse. Steil genug ist die Strecke, dass die Stadt hinter dem Wagenfenster dabei sichtbar nach unten wegrutscht.
Die Bahn ist älter als fast alles, was sie transportiert: Den Betrieb nahm sie 1889 auf, damals noch mit Wasserballast, später dann elektrisch. Ihren Namen trägt sie nach dem alten «Polytechnikum» (so hieß die ETH bis 1911), und im Volksmund heißt sie bis heute «Polybähnli» oder «Studenten-Express». 1,7 Millionen Fahrgäste im Jahr machen sie zur zweitmeistgenutzten Standseilbahn im öffentlichen Verkehr der Schweiz.
Kurios ist der Besitzer: Nachdem die Bahn in den Siebzigern vor dem Aus stand, kaufte sie eine Bank. Sie gehört bis heute einer Tochter der UBS und wird von den Verkehrsbetrieben Zürich gefahren. Für Sie heißt das vor allem: Sie ist Teil des Zürcher Verkehrsverbunds ZVV. Mit einem gültigen Zürcher Zonenbillett fahren Sie ohne Zuschlag mit.
Das Billett zu 1.20 bekommen Sie nur an den zwei Automaten an der Tal- und der Bergstation — nicht in einer App und nicht am Schalter.
Ein Haken liegt allerdings genau in der besten halben Stunde. Die Bahn fährt nur bis 21.00, das ganze Jahr über, auch samstags und sonntags. Von Ende April bis in die dritte Augustwoche geht die Sonne in Zürich später als halb neun unter — das blaue Fenster beginnt dann erst, wenn unten längst niemand mehr einsteigt. Zwischen Mitte Mai und Anfang August ist die Bahn sogar schon vor dem Sonnenuntergang zu. Im Hochsommer geht es abends also zu Fuß hinauf und hinunter — oder mit dem Tram bis zur Haltestelle ETH/Universitätsspital, von der es wenige Gehminuten bis zur Terrasse sind. Anfang September reicht die Bahn noch für den Weg hinauf, zurück geht es dann schon über die Treppen. Ab der zweiten Septemberwoche fahren Sie beide Wege bequem.
Zu Fuß sind es vom Central wenige Minuten über Treppen. Das gilt auch an den einzelnen Wartungstagen und in der Revisionswoche, mit der die Bahn einmal im Jahr stillsteht.
Eine Regel gehört vor die Fahrt nach oben, weil sie sich mit dem Abend beißt: Zwischen 18 und 9 Uhr ist auf der Polyterrasse Alkohol verboten. Grillen und Musik sind ebenfalls nicht erlaubt, und den Abfall nimmt man wieder mit hinunter.
Der Grund ist einfach: Das ist der Vorplatz einer Universität, den die Stadt mitbenutzen darf, und kein Feierabendplatz. Für die halbe Stunde, um die es hier geht, ändert das nichts. Wer den ganzen Abend mit Getränk plant, sucht sich besser einen Platz am Wasser.
| Adresse | Polyterrasse, 8001 Zürich (vor dem ETH-Hauptgebäude, Rämistrasse 101) |
| Eintritt | frei zugänglich, kostenlos, rund um die Uhr |
| Zeitbedarf | 15 bis 20 Minuten — ein Halt für den Blick, kein Ort zum Verweilen |
| Am Sonntag | zugänglich |
| Anfahrt ÖV | Polybahn ab Zürich Central (Talstation Limmatquai 144), gut anderthalb Minuten; im ZVV enthalten. Einzelfahrt CHF 1.20, 6er-Karte CHF 7.20 — nur an den Automaten der Tal- und Bergstation |
| Polybahn-Zeiten | Mo–Fr 6.30–21.00, Sa 7.30–21.00, So und Feiertage 9.00–21.00, alle 5 Minuten. Letzte Fahrt 21.00 — von Ende April bis in die dritte Augustwoche also vor der besten halben Stunde; dann zu Fuß oder mit dem Tram |
| Tram | bis ETH/Universitätsspital, dann wenige Gehminuten — auch nach 21 Uhr |
| Zu Fuß | vom Hauptbahnhof rund 9 Minuten, vom Central über Treppen wenige Minuten |
| Verboten | Alkohol 18–9 Uhr, Grillen, Musik abspielen, Littering |
| Mit Hund | erlaubt, auch in der Polybahn; ebener Belag, keine Treppen, keine Absperrung |
| Barrierefrei | ja, ebenerdig von der Straßenseite — am einfachsten mit dem Tram bis ETH/Universitätsspital; über die Polybahn und die Treppen vom Central nicht |
Nein. Die Polyterrasse ist eine öffentliche Fläche vor dem ETH-Hauptgebäude, sie ist durchgehend zugänglich und kostet nichts. Bezahlt wird höchstens die Fahrt hinauf mit der Polybahn, und auch die nur, wenn man kein gültiges ZVV-Billett hat.
Ja, die Fläche ist rund um die Uhr offen und beleuchtet. Von 18 bis 9 Uhr gilt dort allerdings ein Alkoholverbot, und Musik darf nicht abgespielt werden.
Am schnellsten mit der Polybahn ab Zürich Central: gut anderthalb Minuten Fahrzeit, alle fünf Minuten, im Zürcher Verkehrsverbund enthalten. Vom Hauptbahnhof sind es zu Fuß rund neun Minuten, vom Central führen Treppen hinauf. Wer es ohne Polybahn bequem will, nimmt das Tram bis ETH/Universitätsspital.
Den Blick nach Südwesten über die Altstadt: Grossmünster, Predigerkirche, Fraumünster und St. Peter stehen alle vier im selben Blickfeld, dahinter schließt der Uetliberg mit dem Fernsehturm den Blick ab. Der Zürichsee liegt weitgehend außerhalb dieses Blickfelds.
Etwa eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang. Dann sind die Kirchtürme bereits angestrahlt, der Himmel hat aber noch Farbe. Dieses Fenster dauert nur rund dreißig bis vierzig Minuten, danach wird der Hintergrund schwarz.
Bis 21.00 Uhr, an allen Tagen. Von Ende April bis in die dritte Augustwoche beginnt die schönste halbe Stunde erst danach — dann geht es zu Fuß über die Treppen vom Central hinauf oder mit dem Tram bis ETH/Universitätsspital. Morgens beginnt der Betrieb werktags um 6.30, samstags um 7.30 und sonntags um 9 Uhr, danach fährt die Bahn alle fünf Minuten.
Die Beiträge auf dieser Seite beruhen auf Beobachtungen vor Ort und auf eigener Recherche und ordnen sie journalistisch ein. Angaben — etwa zu Öffnungszeiten, Gebühren, Leinenpflicht oder Zutritt — können sich ändern und gelten ohne Gewähr; im Einzelfall kann die Lage anders sein. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung: Bei konkreten Fragen hilft die zuständige Stadt oder der Betreiber weiter.
0 Stimmen: 0 dafür, 0 dagegen (0 Punkte)